Klaviertransporte in Berlin - Historisch betrachtet

Klaviertransporte in Berlin

Ich hab‘ noch ein Piano in Berlin – über die Liebe der Berliner zum Klavier

„Herz mit Schnauze“, „gesellig“, „immer einen witzigen Spruch parat“ – so stellt man sich die typischen Attribute eines Berliners vor. Wo der Berliner ist, da ist Geselligkeit, und wo Berliner gesellig beisammen kommen, da sind auch Kunst und Musik nicht weit. Die Geschichte des Klaviers zeigt zudem: Berlin ist nicht nur Hauptstadt der Bundesrepublik, sie ist und war auch immer heimliche Hauptstadt des Pianos.

Wo Berliner sind, da ist Klaviermusik

Historisch betrachtet gehört in jeden Berliner Haushalt, der etwas auf sich hält, ein Klavier – das zeigen Zahlen aus den vergangenen zwei Jahrhunderten, in denen es Hunderte Klavierbauer sowie Klaviertransporteure und Zulieferer in die Stadt zog. Dass sich an dieser Liebe zum Piano in Berlin bis heute nicht viel verändert hat, erfahren wir von Piano Express Berlin täglich aufs Neue.

Uns hat das neugierig gemacht und wir haben nachgefragt. Woher kommt diese Vorliebe für das Piano? Warum war Berlin seit der Erfindung des Pianofortes die heimliche Hauptstadt des Klaviers? Und wie ist es heute? Liebt der Berliner sein Klavier und sein spezielles Liedgut noch so sehr wie in den Zwanzigerjahren des vergangenen Jahrhunderts? Wird in Berlin noch so viel musiziert, wie die Anzahl der Klaviertransporte in Berlin es vermuten lassen?

Vom Cembalo zum Pianoforte: eine historisch bedeutsame Erfindung

Als Bartolomeo Cristofori um 1700 ein neuartiges Cembalo schuf, das vier Oktaven umfasste und ein dynamisches Spiel erlaubte, war das Interesse zunächst gering. Erst dessen Weiterentwicklung und Nutzung durch berühmte Pianisten, Komponisten und Musikschulen führte zu einer immensen Nachfrage nach dem Pianoforte, mit dem sich sowohl klassische Musik als auch moderne Stücke abwechslungsreich intonieren ließen.

Technologischer und industrieller Fortschritt begünstigen die Kunst

Die Bereitstellung einer neuartigen Technologie reichte also schon damals nicht aus, damit sie angenommen wurde. Es mussten mehrere Umstände zusammenkommen, bevor die Werkstätten von Klavierbauern um die Jahrhundertwende wie Pilze aus dem Berliner Boden schossen. Dazu gehörten

  • der für das Biedermeier typische Rückzug ins Private, mit der Herausbildung einer bürgerlichen Bildungskultur, die auch den Klavierunterricht für Mädchen vorsah;
  • eine stetig steigende Nachfrage nach dem Produkt, die die Fertigung lukrativer werden ließ, was zu geringeren Produktionskosten und damit wieder zu mehr Nachfrage führte;
  • die Steigerung der wirtschaftlichen Kaufkraft in bürgerlichen Haushalten;
  • die Aufwertung der Stadt Berlin als industrielle und kulturelle Metropole;
  • Verbesserungen in der Produktionsweise und eine Infrastruktur, die den Transport des Klaviers auch über weite Strecken oder in abgelegenere Gebiete ermöglichte.

Aufschwung einer Stadt

Das Berlin des 19. Jahrhunderts erfüllte all diese Ansprüche in besonderer Weise. 1871 wurde Berlin zur Reichshauptstadt erklärt – und gewann dadurch an Attraktivität für Industrielle und Künstler gleichermaßen. Bereits 1869 wurde die Berliner Hochschule für Musik gegründet, die eine Vielzahl an Koryphäen auf dem Gebiet des Klavierspiels aufzuweisen hatte und die selbst solche hervorbrachte: einen Artur Rubinstein ebenso wie eine Grete Sultan. Daneben standen solventen Musizierwilligen ausgezeichnete Privatschulen offen. Und auch ein umwerfend neues Instrument, das alles bis dato Bespielte in den Schatten stellte, stand schon ab 1853 zur Verfügung: das in Berlin produzierte Bechstein-Piano.

Aufstieg einer Marke

1853, Im Jahr der Unternehmensgründung, war Carl Bechstein als königlicher Hoflieferant aktiv und lieferte anfänglich etwa 30 Klaviere pro Jahr aus. Doch der Name Bechstein wurde rasch zum Synonym für Qualität, sodass rund zwei Jahrzehnte später alles, was Rang und Namen hatte, auf einem Bechstein-Piano oder auf einem Bechstein-Flügel musizierte Damit erfolgte auch der Transport des Bechstein-Klaviers nicht mehr nur binnen Berlins, sondern in alle europäischen Metropolen, vornehmlich nach London und Moskau.

Das Piano als multifunktionale Klimperkiste

Um die Jahrhundertwende schien Berlin vollends bereit, das Klavier zum Volksinstrument Nummer 1 werden zu lassen. Neben dem Markenunternehmen befanden sich rund 250 Klavierbauer in der Stadt. Überall wurde musiziert und geklimpert, geübt und aufgeführt. Damit veränderte sich nicht nur, wie gespielt wurde, sondern auch was man zu Gehör gab. Klaviermusik sorgte in Stummfilmen für die launische Untermalung der Filmszenen. Das Piano brachte Schwung in Bars und Cafés, Konzerthallen und Cabarets. Neben den guten alten Präludien oder romantischen Liedern erklangen nun immer häufiger auch typische Berliner Lieder sowie Jazz und Chanson. Ein Drittel der gesamten Klavierproduktion Deutschlands erfolgte in Berlin. Schließlich galt das Klavier gerade hier nicht mehr nur als Bewahrer überlieferter musikalischer Formen, es avancierte zum Trendsetter und wurde zu dem Instrument der Straßengöre und der künstlerischen Avantgarde.

Alles für die Kunst: Ohne Transporte und Zulieferer wäre Berlin nicht Klavierhauptstadt geworden

All dies wäre nicht möglich gewesen, wäre mit der Klavierproduktion nicht auch die Infrastruktur angewachsen, die es benötigt, um ein Klavier sicher von A nach B zu transportieren. Hätte es nicht die stillen Helfer gegeben, die im Hintergrund an der Herstellung und Wartung sowie am Transport der Klaviere mitwirkten. Gerade diese Infrastruktur war es, die Berlin gegenüber seinen Mitbewerbern Leipzig oder Stuttgart die Möglichkeit bot, zumindest bis zu den Weltkriegen seine Stellung als heimliche Piano-Hauptstadt zu bewahren.

Und heute?

Wir ersparen uns den Blick in das finsterste Kapitel deutscher Geschichte, in der es auch um die musikalische Kultur nicht gut bestellt war, und springen direkt in die Gegenwart. Geschätzte acht Millionen Klaviere befinden sich in deutschen Haushalten, was bedeutet, dass etwa jeder Zehnte ein Klavier besitzt. Nach wie vor gilt es als pädagogisch wertvoll, wenn Kinder ein Instrument erlernen und das Klavier rangiert hier auf den obersten Plätzen der Beliebtheitsskala.

Wo Berliner sind, da ist Musik – aber gespielt wird kaum noch

Umso erstaunlicher ist eine andere Zahl: In weniger als 20 % der deutschen Haushalte spielt einer der Bewohner ein Instrument. Viele, die als Kinder begonnen hatten, haben den Unterricht rasch wieder aufgegeben. Das gemeinsame Musizieren findet kaum noch statt. Das Klavier aber bleibt zur Dekoration stehen. Vielleicht, weil es bereits als Erbstück übernommen wurde und das Herz daran hängt, auch wenn es nicht mehr bespielt wird. Vielleicht aber auch nur, weil niemand so recht weiß, wohin damit.

Kaufen, umziehen, entsorgen – wir stehen Ihnen bei

Ob Umzug, Klavierentsorgung oder Neukauf: Für uns von Piano-Express, mit unserem Stammhaus in Berlin, ist ein Klaviertransport keine Hexerei. Wir freuen uns mit Ihnen, wenn das Erbstück sicher im neuen Zuhause landet. Ob in einem Berliner Stadtteil, innerhalb der bundesdeutschen Republik, im europäischen Ausland oder in Übersee. Wir helfen Ihnen, wenn Sie sich für ein neues Piano oder einen neuen Flügel entschieden haben. Und wir übernehmen selbstverständlich auch den Abtransport des Pianos, wenn Sie leichten oder schweren Herzens beschlossen haben, sich ein für alle Mal davon zu trennen.

Und wir bieten Ihnen einen praktischen, zuverlässigen und kostengünstigen Service rund um Ihr Instrument an – vom Transportieren über das Einlagern bis hin zum Stimmen. Übrigens nicht nur in Berlin, sondern auch an und von unseren Standorten in München, Hilden, Hamburg und Lichtenfels.

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