Klaviertransport auf komische Art

Zermürbender Klaviertransport mit Oliver und Hardy (Dick und Doof)
Zermürbender Klaviertransport mit Oliver und Hardy (Dick und Doof)

Was Dick und Doof uns über Klavierkäufe, Klaviertransporte und den modernen Servicegedanken lehren können.

„Das ist das Haus da oben. Ganz am Ende der Treppe.“ Wenn Ihnen dieser Satz bekannt vorkommt, dann sind Sie vermutlich ein Fan des amerikanischen Komiker-Duos Laurel und Hardy, besser bekannt als „Dick und Doof“. Das Haus, um das es geht, steht auf einem hohen Hügel, zu dem eine steile, nicht enden wollende Treppe hinaufführt. Laurel und Hardys Aufgabe besteht darin, ein Klavier die Treppe hinauf zu transportieren, das zuvor auf einem Pferdewagen von ihnen herbeigefahren worden war – die übliche Art, wie vor dem Aufkommen der ersten Zugmaschinen und Lkws Klaviere transportiert wurden. 

Wer die beiden Komiker kennt, kann sich vorstellen, wie sie die Aufgabe, das soeben gekaufte Klavier zu transportieren, bewältigen und auf welche Schwierigkeiten sie dabei stoßen. Natürlich verfügen sie über keinerlei Werkzeuge oder Hilfsmittel, um das Klavier die endlose Treppe hinaufzutragen. Weshalb es einem Klaviertransporteur schon wehtun kann, den Film anzuschauen und mitanzusehen, wie es gegen Treppenstufen gestoßen, über den Balkon gehievt und am Ende vom Eigentümer des Hauses, der zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnt, dass das Klavier ein Geschenk für ihn ist, mit den Worten „Piano! Piano! Ich hasse und verabscheue Pianos!“, zertrümmert wird.

Ein Oscar für einen zermürbenden Klaviertransport

„Humor ist, wenn man trotzdem lacht“, sagt der Volksmund. Das mag schwerfallen, wenn man dabei zusehen muss, wie Dilettanten ein neues Klavier während eines nicht sachgerechten Transportes schrotten, ganz gleich, ob dies in den USA der 1930er Jahre geschieht oder während eines Klaviertransports von Berlin nach München 2015. Aber nicht umsonst erhielten Laurel und Hardy für ihren Kurzfilm „The Music Box“, der in Deutschland unter den Namen „Der (zermürbende) Klaviertransport“ und „Das verrückte Klavier“ bekannt wurde, 1932 einen Oscar für die „beste Kurzfilm-Komödie“. Denn Humor knüpft immer an etwas uns Bekanntem an, spielt mit unseren Ängsten und kehrt sie zugleich auf absurde Weise um.

Das Klavier als Must-have

In „Der zermürbende Klaviertransport“ erfahren wir deshalb nicht nur, wie man einen solchen Transport möglichst nicht durchführen sollte. Wir erfahren auch etwas über den Stellenwert des Instruments zu Beginn des 20. Jahrhunderts. So lässt sich durchaus ein wahrer Kern darin entdecken, dass hier eine gut situierte Dame ein Geschenk für ihren Gatten aussucht, der Klaviere im Grunde hasst, dies aber, nachdem sich das Missverständnis aufgeklärt hat, zu verbergen sucht. Denn ein Klavier galt um 1900 als das Instrument, das in keinem gutbürgerlichen Haushalt fehlen durfte. Wer als kultiviert gelten wollte, der spielte Klavier – oder sorgte doch zumindest dafür, dass die Dame des Hauses und die Kinder dies übernahmen.

Vom Pianola zum tragbaren Klavier

Was die Dame im Film „Der Klaviertransport“ erwirbt, ist allerdings gar kein Hammerklavier, wie die meisten von uns es kennen, sondern ein Pianola, ein mechanisches Klavier, das eine Notenrolle enthält und daher auf einen Pianisten gut verzichten kann. Daher auch der englische Titel „The Music Box“ – denn das Pianola gilt auch als Vorläufer des Plattenspielers, jenes „tragbaren Klaviers“, das schließlich das Pianola verdrängte. In den „goldenen Zwanzigern“ jedoch verkaufte sich das mechanische Klavier noch besonders gut. Für die Filmhandlung hat es im Gegensatz zum Hammerklavier oder dem Flügel zudem einen deutlichen Vorteil: Wir hören das Klavier, dessen Transport anfänglich missglückt, nicht die Treppe hinunterscheppern, sondern wir verfolgen den wilden Lauf, den der Klaviertransport nimmt, zu den Klängen von Offenbachs „Orpheus in der Unterwelt“. 

Zwischen klassischer Musik und Unterhaltungsindustrie: das Klavier als Allrounder

Gerade die Filmindustrie – und allen voran der Stummfilm, der dadurch sehr beredt wurde – hat natürlich zur Verbreitung von Klaviermusik einen besonderen Beitrag geleistet. Überhaupt kommt dem Klavier als viel gespieltem Instrument eine besondere Bedeutung für die Entwicklung klassischer und populärer Musik zu. Auf der einen Seite trägt es dazu bei, dass die sogenannte „E-Musik“ nun auch daheim erklingen kann. Auf der anderen Seite entwickeln sich ganz neue musikalische Richtungen, die in unseren Breitengraden eher zur „U-Musik“ gezählt werden und am Piano oder Flügel in Bars und Lichtspielhäusern vorgetragen werden oder als Begleitmusik dienen.

Klavierbau und Klaviertransport in Berlin um 1900

Die Nachfrage nach Klavieren ist schon um die Jahrhundertwende groß – und ein Zentrum des Klavierbaus befindet sich in Berlin, wo um 1900 zwischen 200 und 300 Firmen und Fabriken standen, in denen jährlich etwa 70.000 Klaviere gebaut wurden. Bis zum Ersten Weltkrieg steigerte sich die Zahl auf etwa 200.000. Während dies Klavierbauer und Klaviertransporteure erfreuen mochte, sprachen Musikkritiker bereits von einer „Klavierseuche“, da man anscheinend nirgendwo mehr ein ruhiges Stündlein verbringen konnte, ohne dass jemand im Nebenhaus in die Tasten – und leider wohl auch häufig daneben – griff. Für uns, die wir nicht unkritisch, aber doch viel offener auch gegenüber Laienmusikern sind, scheint dies dagegen eine faszinierende Zeit gewesen zu sein, die man sich heute wohl nur noch schwer vorstellen kann. 

Kosten für den Klaviertransport

Weniger erfreulich waren möglicherweise die Arbeitsbedingungen für Klaviertransporteure und – glaubt man der Darstellung in Laurel und Hardys Kurzfilm – auch die Durchführung des Transports. Aus alten Aufzeichnungen lässt sich ersehen, dass die Kosten für einen Klaviertransport um 1900 bei etwa 1,50 Mark lagen, ein paar Jahrzehnte später waren es ca. 8 bis 10 Reichsmark, was umgerechnet etwa 37 bis 45 Euro wären.  Das Klavier selbst dagegen kostete umgerechnet rund 2.000 Euro – ein stattlicher Preis für damalige Verhältnisse. 

Klavierbau in Deutschland gering, Transportnachfrage gleichbleibend hoch

Von den deutschen Klavierbauern, die für ihre Qualität „made in Germany“ bekannt waren, haben es nur wenige Unternehmen geschafft, zu überleben. Ein Großteil der preiswerten Klaviere, die Sie heute kaufen können, stammt – wie sollte es anders sein – aus Asien. Ein anderer Grund liegt darin, dass gute Klaviere eben eine lange Haltbarkeit haben und daher nur einmal im Leben angeschafft werden. So wird die Zahl der Klaviere in deutschen Haushalten auf etwa acht Millionen geschätzt. Neukäufe sind eher selten – Klaviertransporte dagegen werden bei jedem Umzug benötigt, denn ohne fachgerechten Transport wäre das Risiko einer Schädigung doch zu groß.

Klaviertransport – fachgerecht auch beim Entsorgen

Vorausgesetzt, Sie bestellen nicht Dick und Doof als Klaviertransporteure, sondern ein erfahrenes Unternehmen wie Piano Express, ist der fachgerechte Klaviertransport dem Eigentransport allemal vorzuziehen. Ein wenig mehr als 1,50 Euro wird es wohl kosten, aber dafür ersparen Sie sich jede Menge Ärger und Ihrem Piano den Abfahrtslauf auf der Treppe.

Und wenn das Klavier einfach nur entsorgt werden soll? Laurel und Hardy nehmen in ihrem Kurzfilm bereits vorweg, was heute als „Piano Smashing“ bezeichnet wird: die wüste Zerstörung des Instruments mithilfe einer Axt. Doch selbst der wütende Pianohasser aus dem Kurzfilm kommt schließlich wieder zur Besinnung und fragt die beiden gutmütigen Transporteure: „Was kann ich tun, um Ihnen zu zeigen, wie leid es mir tut?“

Deren Antwort ist eindeutig: „Hier nur den Schein unterschreiben. Das ist für uns Dienst am Kunden.“

Moderner kann man den Service-Gedanken eines Klaviertransporteurs nicht ausdrücken.

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