Piano on Androids

Klavierstimmen C-Dur

Vereint, aber nicht vereinnahmt: Googles Android – neue Marketingkampagne

Wenn der koreanische Pianist Ji Yong im Auftrag von Google vor laufender Kamera kraftvoll in die Tasten haut, dann hält der Betrachter vermutlich den Atem an vor Bewunderung. Dennoch hat man den Eindruck, als würde Ji Long die Mondscheinsonate, deren dritten Satz er da intoniert, mit etwas zu viel Nachdruck phrasieren. Der Eindruck täuscht nicht, es liegt System darin. Ji Yong gibt dem Zuschauer die Möglichkeit, zumindest die Rhythmen der Komposition wiederzuerkennen. Denn Hören wird er sogleich etwas völlig anderes.

Monotonie in C-Dur: Zum Glück ist nicht der Klaviertransport schuld!

Kaum hat sich das Ausnahmetalent nämlich am zweiten Flügel niedergelassen, erklingt dasselbe Werk als monotones Einerlei. Daran ist nicht etwa ein schlechter Klaviertransport schuld, bei dem das gute Stück zu Schaden gekommen wäre. Stattdessen wurde dieser Flügel gleich nach dem Transport ganz bewusst manipuliert, sodass beim Anschlag der Tasten immer nur ein einziger Ton erklingt. Fünf Wochen, nachdem die Pianos transportiert worden waren, war es dann so weit: Das Marketingexperiment konnte beginnen.

Android:„Monotone“

Ob Klaviertransporteur oder Wunderkind: Vielfalt statt Monotonie

Be together – not the same, lautet der Slogan dieser Kampagne. Dem Wortsinn nach übersetzt: Seid zusammen, nicht gleich. Was Google uns damit sagen will, ist rasch klar. Man grenzt sich ab gegen die großen Konkurrenten, die auf all ihren Produkten das ewig gleiche Antlitz zeigen. Man betont die eigene Vielfalt und die Möglichkeiten, das Betriebssystem Android – um das es in dieser Kampagne letztlich geht – an den eigenen Bedarf und die eigenen Vorstellungen anzupassen. Wogegen insbesondere Apple vom Ladengeschäft bis zum iOS auf einem einheitlichen Erscheinungsbild – in der Sprache der Werbekampagne auf Monotonie – beharrt.

Die Magie des gemeinsamen Augenblicks

Doch würde wohl kaum ein Hahn nach einer solchen Message krähen, böte sie nicht bedeutend mehr Projektionsfläche. Denn was Google da so griffig auf den Punkt bringt, scheint in seiner Knappheit präzise formuliert und rührt in jedem von uns etwas an. Gleichzeitig lässt der Slogan aber genug Raum, um ihn mit eigenen Storys und Sichtweisen zu füllen. Auch Ji Yong lässt sich da nicht lange bitten und formuliert seine persönliche Message. Die Aussage stehe klar im Einklang mit seinen Überzeugungen und Prinzipien, erzählt Ji der Community im Making off zum Werbespot. Denn nur, wenn wir alle gemeinsam, aber mit unseren Unterschieden, in Harmonie leben, in Einheit, dann könne sich Magie entfalten.

Ihr Team von Piano Express – auf jeden Einzelnen kommt es an

Werbepsychologie hin oder her: Wir von Piano Express können Ji Yong in dieser einfachen, aber umso einprägsameren Aussage nur bestätigen. Jenseits aller aktuellen Tagespolitik. Und nicht aus irgendeiner Ideologie heraus, sondern aus der Nähe, die sich ergibt, wenn man lange und respektvoll in einem Team zusammenarbeitet.

Allein die Crew, die für den Klaviertransport und den Transport von Neumöbeln bei Piano Express zuständig ist, umfasst eine Vielzahl an Nationalitäten. Aber auch Alter und Geschlecht, Erfahrungen und Wünsche sowie eine Vielzahl anderer Faktoren unterscheiden uns, lassen uns zu Individuen werden. Der eine mag Android, der andere iOS. Der eine spielt Piano, der andere Gitarre. Man munkelt, es gäbe sogar Blockflötenspieler unter uns. Ein Running Gag, über den wir gern witzeln, wenn wir mal wieder ein 300 Kilogramm schweres Klavier in den vierten Stock transportieren und uns vorstellen, es wäre eine Flöte.

Android: The Making of „Monotone“

Jeder ist, wie er ist, und gibt, was er kann. Dann wird das schon.

Wir von Piano Express kommen mit Vielfalt gut zurecht. Bei unseren Mitarbeitern ebenso wie bei unseren Kunden und unseren Aufträgen – vom Klaviertransport bis zur Einlagerung eines Flügels. Das liegt sicher auch daran, dass wir – um es mal provokativ zu sagen – nicht der Meinung sind, dass wir alle gleich sind und das Gleiche können oder wollen. Jeder gibt das, was er kann. Jeder fügt eine andere Fähigkeit hinzu. So entstehen Teams, in denen jeder anders sein darf und doch seinen festen Platz hat. Schließlich kann Gleichheit als Wert und Menschenrecht nur dort existieren, wo Unterschiede sichtbar werden dürfen. Alles andere wäre pure Gleichmacherei.

Verwirrung stiftende Gleichheit

Ji Yong bringt Googles Botschaft ebenso authentisch rüber wie seine eigene Überzeugung. In seinen Äußerungen, aber auch in seiner Kunst. Wenn er spielt, klingt eine Mondscheinsonate eben nicht schnarchig und monoton. Man hört die Harmonien ebenso wie die Spannung, die leichten Verzögerungen im Rhythmus oder das kräftige Stakkato des professionellen Pianisten. Doch sogar für ihn, der bereits mit 5 Jahren das Klavierspiel begann, ist es anfangs schwierig, auf einem Flügel zu spielen, der nur einheitliche Klänge erzeugt. Es fehlt der Taumel, den diese Musik auslöst, die Führung durch die Melodie, es fehlt der musikalische Genuss. Und obwohl er die Mondscheinsonate sicher blind spielen kann, muss auch Ji Yong daher auf dem monoton gestimmten Flügel mehrfach ansetzen.

Erfahrungen prägen sich dem Körper ein – Unterschiede auch. Lassen wir sie zu!

Genau damit aber macht uns der in New York lebende Pianist, den die Chicago Tribune schon vor Jahren in den höchsten Tönen lobte, auf einen weiteren wichtigen Aspekt von Diversität und Gleichheit aufmerksam. Der Musiker überträgt nicht eine Partitur, die er auswendig gelernt hat, vom Kopf aufs Piano. Er verleibt sie sich ein, mit allen Muskeln und Sinnen und bis in die Fingerspitzen hinein. Jedes Musikstück ist dem Künstler eine sinnliche Erfahrung – die ihn von anderen Pianisten unterscheidet. Und genau so ist das mit uns Nicht-Wunderkindern auch. Nur viel unspektakulärer. Unser Können ist vielleicht weniger virtuos. Aber auch der Klaviertransport kann nur gelingen, wenn wir als Team mit all unseren Unterschieden zusammenarbeiten. Gleichheit bis ins Detail zu fordern, würde dagegen Tag für Tag einen Kraftakt von jedem Einzelnen erfordern. Tausendmal anstrengender als der Transport eines Flügels.

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